Vom Freizeitsport zum Alltagsradeln – zur Zukunft des Radverkehrs in Idstein​​​​​​​

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Die Stadt Idstein bietet vielfältige Möglichkeiten und Angebote für das Radfahren in der Freizeit. Beim Alltags-Radeln besteht jedoch Verbesserungsbedarf. Das zeigt die Auswertung von 60 Interviews im Rahmen des Fahrradklima-Tests 2020 des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (AFDC). Potential sehen auch 230 Idsteiner Bürgerinnen und Bürger, die im Rahmen des neuen Verkehrsentwicklungskonzepts 2035 zum Radfahren in Idstein befragt wurden. Bürgermeister Christian Herfurth nimmt deshalb zur derzeitigen Situation und die Zukunft des Radverkehrs in Idstein Stellung:


Grundsätzlich stehen wir in Idstein vor der Herausforderung, dass fast alle unsere Straßenräume nicht besonders breit sind. Der letzte Verkehrsentwicklungsplan aus Ende der 90er Jahre hatte den eindeutigen Schwerpunkt, die Rahmenbedingungen für den Fußgängerverkehr und den ÖPNV qualitativ und quantitativ zu verbessern. Die Stadt Idstein hat in diesen Bereichen mit breiteren Gehwegen, mehr Bushaltestellen und einem deutlichen Mehr an Barrierefreiheit bei allen Straßenbau-maßnahmen viel erreicht. So ist Idstein z.B. Vorreiter im Rheingau-Taunus-Kreis, was die Barrierefreiheit von Bushalte-stellen anbelangt. Auf Grund des beengten Verkehrsraums ist es allerdings auch richtig, dass wegen der vorgenannten Schwerpunkte in der Vergangenheit der Fahrradverkehr zu kurz gekommen ist. Der vorhandene Straßenraum kann nur einmal verwendet werden. Und ein Nebeneinander von breitem Fußgängerweg, beidseitigen Fahrradwegen, mitunter straßenbegleitenden öffentlichen Parkplätzen und Begegnungsverkehr für Busse ist beispielsweise in der Wiesbadener Straße oder der Limburger Straße schlichtweg nicht möglich. Bei den wenigen Projekten mit von vorneherein genügend Platz für die Straßenverkehrsfläche, wie z.B. der Südtangente oder aktuell dem neuen Kreisel am Ortseingang von Walsdorf, hat die Stadt Idstein aber auch das Mehr an Breite für den Fahrradverkehr mit eingeplant und entsprechend ausgebaut.


Allerdings steht für mich auch fest, dass sich die Einschätzung der 90er Jahre, nämlich dass das Fahrrad in der Bevölkerung wegen unserer Taunustopografie keine Akzeptanz als Fortbewegungsmittel im Alltag bekommen wird, sich eindeutig nicht bestätigt hat. Die Befragungen zeigen klar auf, dass die grundsätzliche Akzeptanz für ein verstärktes Alltagsradeln in Idstein besteht. Jetzt gilt es, die Rahmenbedingungen hierfür zu verbessern. Der Verkehrsentwicklungs-plan 2035 wird auch vor diesem Hintergrund einen deutlich Schwerpunkt auf das Thema Radfahren in Idstein legen. Die Vorschläge reichen von neuen Radwegen außerorts, der Ausschilderung von innerstädtischen Fahrradrouten parallel zu unseren Hauptverkehrsstraßen bis hin zu dem vergleichsweise neuen Thema Fahrradstraßen. Denkbar wäre auch die Ernennung eines Mobilitäts- oder Radverkehrsbeauftragten oder die Einrichtung eines Arbeitskreises.


Eine weitere Maßnahme könnte die weitere Öffnung von Einbahnstraßen für Radfahrer sein. In den letzten Jahren hat das Idsteiner Ordnungsamt bereits mehrere Einbahnstraßen für den Radverkehr in Gegenrichtung geöffnet. Wir hätten uns dies für weitere Straßen gewünscht, jedoch sind wir an die rechtlichen Vorgaben der Straßenverkehrsordnung gebunden. Im Rahmen einer verkehrsbehördlichen Anordnung sind die Stellungnahmen der zu beteiligenden Behörden einzuholen und wir benötigen das Einverständnis der zuständigen Stellen, wie der Polizeistation Idstein oder dem Rheingau-Taunus-Kreis. Bei nicht wenigen Einbahnstraßen haben wir bei diesen Abstimmungen keine Freigabe für eine Öffnung bekommen. Beispiel dafür ist die Franz-Vietor-Straße wegen fehlender Ausweichmöglichkeiten und einer unübersichtlichen Einfahrtssituationen in die Bahnhofstraße. Im Rahmen unseres Verkehrsentwicklungsplans 2035 streben wir eine nochmalige gemeinsame Prüfung der Einbahnstraßen vor Ort an, um weitere Argumente für die jeweilige Öffnung aufzuzeigen.


In nicht wenigen Punkten, und vor allem außerorts, können wir als Stadt Idstein auch nur in Kooperation mit dem Rheingau-Taunus-Kreis und dem Land Hessen weiterkommen. So ist es uns als Kommune nicht gestattet, entlang von Bundes- oder Landesstraße einfach selbst Fahrradwege zu bauen. Ich begrüße deswegen ausdrücklich die neuen Initiativen des Landes Hessen für den Bau von mehr Fahrradwegen entlang der überörtlichen Hauptverkehrsachsen. So ist z.B. die von den Kommunen schon seit langer Zeit gewünschte Verbindung zwischen Idstein und Niedernhausen in das Landesprogramm aufgenommen worden. Wir stehen hier bereits in Kontakt mit Niedernhausen, um einen gemein-samen Trassenkorridor für die weitere Planung festzulegen.


Leider kommt die Initiative des Verkehrsministeriums für einige Projekte des Landes zu spät. In diesem Sommer wird die Landesstraße entlang der Lore-Bauer-Halle von Hessen Mobil saniert. Dem Vorschlag der Stadt Idstein, auch einen straßenbegleitenden Radweg mit in die Sanierung aufzunehmen, wurde nicht gefolgt. Wir bedauern dies sehr. Mitunter haben wir aber auch Erfolg. Zusammen mit Hünstetten konnten wir erreichen, dass das Land Hessen bei der in den nächsten Jahren anstehenden Sanierung der Unterführung der Regionalbahn zwischen Wörsdorf und Wallrabenstein die Verbreiterung für einen Radweg fest zugesagt hat.


Zukünftig gilt es auch, den Umweltverbund mit Fuß, Fahrrad oder Bus zum Bahnhof und dann mit dem Zug oder dem Regionalbus nach Wiesbaden und nach Frankfurt weiter auszubauen. Trotz der sehr positiven Entwicklung als Wirtschaftsstandort pendelt ja die Mehrzahl der Idsteiner weiterhin zu den Arbeitsplätzen nach Frankfurt oder nach Wiesbaden. Und diese Strecken werden wohl auch in Zukunft nur von den allerwenigsten mit dem Fahrrad tagtäglich gefahren werden.


Gesamt gesehen, ist es absolut begrüßenswert, wenn mehr Menschen auf das Fahrrad umsteigen. Die Stadt Idstein will sich dafür um verbesserte Rahmenbedingungen kümmern. Jeder ist aufgefordert, in unserer Stadt der kurzen Wege öfter zu Fuß zu gehen oder das Fahrrad zu nutzen. Erstmals werden wir als Stadt Idstein deshalb in diesem Jahr an der Aktion Stadtradeln teilnehmen. Außerdem bewerben wir uns für eine Aktion des Arbeitskreises Nahmobilität. Diese will die Themen E-Bikes und E-Lastenräder in den Kommunen vor Ort präsentieren und dazu Räder zum Ausprobieren mitbringen.


Letzte Änderung: 01.04.2021 15:39 Uhr