Pressemitteilung
Toepfer-Bild zurück in Idstein
Nach vielen Jahrzehnten im hohen Norden ist ein Bild des Malers Ernst Toepfer nach Idstein zurückgekehrt. Gemeinsam mit seiner Frau übergab der Tierarzt Dr. Andreas Seide das Bild „Scheuerbambel und Pellkartoffeln“ im Magistratssitzungszimmer als Schenkung an das Idsteiner Stadtmuseum. Das Bild des bekannten Heimatmalers stammt aus dem Nachlass seiner Mutter, die in der Idsteiner Bahnhofstraße großgeworden ist. Die Leiterin des Referats für Wirtschaftsentwicklung, Stadtmarketing und Kultur, Sabine Fritz, übernahm stellvertretend für die Stadt Idstein das Stillleben aus den Händen des Ehepaares, das für die Übergabe kurz vor einem Reiseantritt am Frankfurter Flughaben einen Abstecher nach Idstein gemacht hatte, um das Bild persönlich zu übergeben.
„Das Bild hing jahrelang im Wohnzimmer meiner Eltern – wohl als Erinnerung an die Heimatstadt meiner Mutter. Wir finden es schön, dass es nun an seinen Ursprung zurückkehrt“, so Dr. Seide, der in der Gemeinde Syke bei Bremen lebt und eine Kleintierpraxis in Bremen betreibt. Die Mutter, die das Erinnerungsstück in ihrem Haus aufgehängt hatte, war die Schwester des kürzlich verstorbenen ehemaligen Idsteiner Bürgermeisters Gerhard Krum, zu dem Andreas Seide bis zuletzt Kontakt pflegte.
Wie der heute etwas ungewöhnliche Titel des Ölgemäldes auf Karton bereits verrät, zeigt das Bild eine Schüssel und einen Teller mit Pellkartoffeln, dazu eine kleine Schale, vermutlich mit Salz. Doch was verbirgt sich hinter dem Wort „Scheuerbambel“? Wenn man genau hinschaut, sieht man im Hintergrund getrockneten Tabak, den „Scheuerbambel“. Denn üblicherweise wurde auch in unserer Region – besonders in Not- und Kriegszeiten – Tabak selbst angebaut. Zum Trocknen wurde er an den Wänden in der Scheune aufgehängt und „bambelte“ auf gut Hessisch in der Scheuer, bis er trocken war. Das auf den ersten Blick etwas düstere Bild, das 1946 von Toepfer angefertigt und signiert wurde, ist damit auch ein Zeugnis der Esskultur und Lebensgewohnheiten der Nachkriegszeit. Das Entstehungsjahr erklärt auch, warum für das Bild ein Karton in Zweitverwendung genutzt wurde: Klassische Leinwände und Keilrahmen standen in der Nachkriegszeit selten zur Verfügung und waren teuer.
Immer wieder malte Ernst Toepfer Stillleben, die Essbares zeigen: Würste und Schinken, Austern, Birnen und Nüssen, Orangen, Zitronen und „Kullerpfirsiche“, dekoriert mit Schalen, Gläsern und Krügen. Auch ein Tablett mit Kaffeetasse, Zuckerschale und Sahnekännchen gehört zu seinem Werk. Zweifelsohne sind in unserer Region bis heute insbesondere die Bilder Ernst Toepfers stark nachgefragt, die Motive aus Idstein und der Umgebung zeigen. Doch auch die Stillleben des Künstlers haben ihren Reiz, wenn man ihre Geschichte kennt.
Und so freute sich Sabine Fritz, das Bild entgegennehmen zu können: „Es ist uns ein Anliegen, das Werk Toepfers, der so lange in Idstein gelebt und gearbeitet hat, zu erhalten und wir freuen uns, dass wir unsere eigene kleine Sammlung nun wieder ergänzen können. Vielleicht ist das Bild schon bald in unserer Wechselausstellung im Stadtmuseum zu sehen.“ Denn die Bilder sollen ja nicht dauerhaft im Depot gelagert werden, sondern auch der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden, so Sabine Fritz.

