Pressemitteilung
Unsere Grüne Glasfaser will sich aus Idstein zurückziehen
Der Glasfaserausbau in Idstein ist ins Stocken geraten. Schon in den vergangenen Wochen ging der Ausbau deutlich langsamer voran als ursprünglich anvisiert. In einer E-Mail an Bürgermeister Herfurth und den Bauamtsleiter der Stadt Idstein, Axel Wilz, schilderte Ralf Stratmann von „Unsere Grüne Glasfaser“ (UGG) vor einigen Tagen die Situation und kündigt ein postalisches Schreiben durch die Geschäftsführung von UGG an, das aber bisher im Idsteiner Rathaus nicht eingetroffen ist. In der E-Mail heißt es, „dass das Memorandum of Understanding (MoU), für den geplanten Glasfaserausbau in Idstein, nicht wie ursprünglich geplant umgesetzt werden kann.“ Grund seien die „veränderten Rahmenbedingungen im deutschen Glasfasermarkt“. Die UGG konzentriere sich deshalb in den Jahren 2026/2027 auf die am schnellsten zu realisierenden Glasfaserprojekte. Ziel sei es, in kurzer Zeit möglichst viele Haushalte an das UGG-Netz anzuschließen. „Mit diesem Fokus wurden Ausbauprojekte neu priorisiert, das Ausbaugebiet in Idstein musste angepasst werden.“
Heißt für die Hochschulstadt und deren Stadtteile: „In 2026 werden wir bereits begonnene Abschnitte abschließen und mit dem Ausbau weiterer ca. 2.000 Haushalten beginnen.“ Aber: „Für weitere Ausbaugebiete ist ein eigenwirtschaftlich zu finanzierender Ausbau im Moment nicht mehr möglich.“ Konkret: Nach den aktuell der Stadt vorliegenden Projektdaten werden Teile von Idstein (Gänsberg, Teile NassauViertel, TaunusViertel, Altstadt), sowie alle Stadtteile (bis auf einen Teilbereich von Wörsdorf) von der UGG nicht mehr bis zum Ende 2027 ausgebaut werden.
Der Kooperation mit der UGG war ein bundesweit kommuniziertes Markterkundungsverfahren zum Glasfaserausbau für die Stadt Idstein zusammen mit der Nachbargemeinde Waldems vorausgegangen. Die UGG als Gemeinschaftsunternehmen der Allianz und der Telefónica Group hatte dabei als einziges Unternehmen einen eigenwirtschaftlichen Glasfaserausbau von allen Stadtteilen in Idstein ohne Vorbehalte, wie Vorvermarktungsquoten oder räumliche Einschränkungen, angeboten. Die Stadt Idstein musste bisher also keinerlei Finanzmittel in den Glasfaserausbau investieren.
Dennoch ist Enttäuschung im Idsteiner Rathaus groß. Denn die Stadt Idstein hat den Glasfaserausbau durch die UGG insbesondere mit Blick auf die Stadtteile von Beginn an unterstützt, unter anderem mit einer großen Auftaktveranstaltung für Bürgerinnen und Bürger in der Idsteiner Stadthalle. Sichtlich verärgert ist Bürgermeister Herfurth: „Die UGG hat uns Zusagen gemacht, die sie nun nicht einhält. Wir bedauern es sehr, dass die UGG hier nicht frühzeitig das Gespräch mit uns gesucht hat, um gemeinsame Lösungen zu finden. Mit der E-Mail von Herrn Stratmann wurden wir vor vollendete Tatsachen gesetzt. Die genauen Ursachen für den geänderten Ausbauplan der UGG wurden uns bislang nicht mitgeteilt. Wir müssen davon ausgehen, dass die UGG es offenbar nicht geschafft hat, eine ausreichende Kundenzahl für einen Vertrag mit einem Telefonanbieter zu gewinnen und so den Glasfaserausbau für alle Stadtteile rentabel zu machen.“
Die Anschlüsse ans Haus erfolgten für die Eigentümer kostenlos, vorausgesetzt, diese hatten eine Gestattungserklärung zum Betreten des Grundstücks unterzeichnet und sie oder ihre Mieter hatten zuvor einen Vertrag mit 02, Leonet oder Amiva geschlossen.
In diesen Tagen haben bereits einige Idsteinerinnen und Idsteiner, die entsprechende Verträge bei einem der genannten Telefonanbieter unterschrieben hatten, die Nachricht erhalten, dass der beauftrage Glasfaserauftrag nicht erfüllt werden könne, da – so die Formulierung von O2-Telefónica – UGG den Ausbau „gestoppt“ habe. Aus dem nicht zustande gekommenen Auftrag entstünden aber keinerlei Kosten oder Verpflichtungen heißt es in einem Schreiben von O2, das zusätzlich ein Sonderangebot für alternative Technologien wie z. B. DSL oder Kabel offeriert.
Wie aber geht es nun weiter? In der E-Mail von Ralf Stratmann an die Stadt Idstein heißt es dazu vage: „UGG beobachtet die Glasfasersituation in Idstein jedoch weiterhin, falls sich die für den eigenwirtschaftlichen Glasfaserausbau relevanten Parameter in Zukunft wieder in eine positive Richtung entwickeln.“ Das Idsteiner Bauamt prüft derzeit die genaue Adresslage, um einen Überblick zu bekommen, welche Straßen tatsächlich vom Rückzug betroffen sind. Prinzipiell sucht die Stadt Idstein weiterhin das Gespräch mit der UGG und möchte im Dialog bleiben.
Die Stadt Idstein wird in engem Austausch mit der Nachbargemeinde Waldems in allen Themen des Glasfaserausbau durch ein externes Fachbüro unterstützt. Zusammen mit dem Beratungsunternehmen werden ergebnisoffen alle Optionen intensiv geprüft und ausgelotet werden. Das Ziel für die Hochschulstadt Idstein ist dabei weiterhin vollkommen klar, der vollflächige Glasfaserausbau für alle Idsteiner Stadtteile durch die UGG und falls notwendig durch ein anderes Unternehmen. Ob hier ein weiteres Markterkundungsverfahren in Frage kommt, um einen anderen Anbieter zu finden, muss abgewogen werden. Denn die aus Sicht der möglichen Anbieter für einen Ausbau rentable Kernstadt wurde ja bereits teilweise durch UGG abgedeckt. Bevor die Stadt diesen Weg eingeschlagen hatte, hatte sie sich übrigens auch um Fördermittel für einen Ausbau bemüht, ihren Antrag – der trotz der Kooperation mit Waldems vorneherein nur geringe Aussichten auf einen Zuschlag hatte – aber aufgrund der Zusagen von UGG nach den Förderbestimmungen dann auch zurückgezogen.

